Konfliktfähigkeit versus Harmoniebedürfnis

Immer mal wieder treffe ich Menschen, die in sehr eindringlicher Weise von Harmonie, Frieden und bedingungsloser Liebe sprechen. Soweit so gut … und manch,mal scheint es so, dass gerade diese Personen es sind, die kaum oder nicht in der Lage sind, mit Konflikten auch nur annähernd umzugehen. Geschweige denn mit Aggressionen, die ihre vitalen Interessen berühren … Themen wie Umgang mit Aggression, Grenzen setzen, sich wann wie wehren usw. werden dann schnell berührt … 

Was will ich damit zart andeuten? Bedingungslose Liebe, ja, wenn ich dazu wirklich in der Lage bin. Nicht wenn es letztlich eine Vermeidung, eine Umgehung von unangenehmen Situationen ist. Denken Sie einmal an Ghandi, der vielleicht annähernd diese Aufgabe gemeistert hat. Und gerade Ghandis Lebensweg war ja nicht wirklich konfliktfrei. 

Schon oft habe ich den japanischen Begriff Budo benutzt. Er bedeutet als Sammelbegriff für die Kriegskünste so viel wie: „Aufhören mit dem inneren Kampf als Weg“. Und in meiner Welt ist das eine ziemlich hohe Kunst. Der Weg dahin führt nicht um den Kampf herum oder in einem Kampf gegen den Kampf, wie auch immer. Der Weg führt mitten durch das Thema hindurch … 

Fragen dazu: 
Wie stehen Sie zu Gewalt, Aggression usw.? 
Gibt es für Sie gerechte Gewalt, gerechte Kriege usw.? 
Wie geht es Ihnen mit dem Ziehen von Grenzen? 
Wie gehen Sie mit Grenzen anderer um? 
Würden Sie sich als konfliktfähig bezeichnen? Warum? 
Was schätzen Sie positiv an Konflikten? Was nicht? 
Was sind Ihre bevorzugte Konfliktstrategien? 

Schließlich steuern wir auf das Fest der Liebe zu …, nicht wahr? 

Ich wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein besinnliches Fest und einen gelungenen Jahreswechsel. Den nächsten Beitrag können Sie am Wochenende 12/ 13. Januar genießen. Danke für Ihre Rückmeldungen und Ihre Aufmerksamkeit. 

Herzlichst 

Ihr

Jürgen Weist 

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Will ich es wirklich …?

Innerhalb der Ebene des Ich-Bewusstseins meinen Menschen etwas entscheiden zu müssen. Insoweit stimmt das Wort „Ent-scheiden“ schon, denn es bedeutet soviel wie die Scheidung aufzuheben, jenseits der Scheidung zu gelangen. Aber was wir dann tun, abwägen, „Entweder-oder-Strategien“ nutzen, all` das trennt bzw. schafft Scheidung. 

Bemerkenswert finde ich auch, dass dieses „Für-und-wider“ eher ein geistiger Prozess ist. Körperlich können Sie nicht nach rechts oder links gehen … sprich auf der materiellen Ebene gibt es immer nur das Eine. Deshalb, jedenfalls nach meiner Erfahrung, wird manches „klar“, wenn Sie jetzt eine entsprechende Bewegung machen. Der Körper lügt nicht, im Tun wird das wirklich Gewollte deutlich. Natürlich stimmt das so absolut nicht. Menschen können auch ambivalente Bewegungen machen. Aber was passiert, wenn Sie nicht denkend handeln … wenn Sie Ihren Körper (neudeutsch: die somatische Intelligenz) die Richtung bestimmen lassen …? Verrückt, oder? 

Aber nein, das geht doch nicht so einfach … ich höre schon die Einwände. Und wenn doch? Was dann? Welche Überzeugungen purzeln dann …? 

Oft lassen sich samureimäßig Fragestellungen final auf die Formel reduzieren: Tun oder Nichtun? Handeln oder Nichthandeln? Und oft ist Nichthandeln nicht einmal ein Nichttun, bitte nicht verwechseln …! Jesus soll einmal gesagt haben: Es reicht ein Ja oder nein, alles andere ist vom Teufel … Und oft haben wir natürlich für das (Nicht)Getane Gründe. Wir finden dann Rechtfertigungen, Begründungen in einer Art zweiten Realität für unser Handeln in der ersten Realität. 

Am Ende wird es einfach … mich hat von je her das Todesgedicht des Zenmeisters Bashui fasziniert. Es lautet: 

Sieh genau vor dich, 
wenn du siehst, wie es ist, 
dann wirst du nicht fehltreten. 

Herzlichst 

Ihr 

Jürgen Weist 

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Beachtung und Anerkennung

Der Amerikaner Ken Wilber spricht in einem seiner Werke über die verschiedenen Bedeutungen, die wir für die Welt haben. Wenn ich das recht entsinne, unterscheidet er den so genannten Grundwert (den wir existenziell haben, schlicht, weil wir da sind) und den so genannten Funktionswert (in wie viel Systemen leisten wir einen Beitrag?). 

Dies passt sehr gut zu dem Thema Beachtung und Anerkennung. Beachtung wäre die Art von Bedeutung, die ich aufgrund meines Grundwertes erhalte. Insoweit würdigt Beachtung bedingungslos mein Dasein. Schon meine Existenz (wie oben erwähnt) ist beachtenswert. Deshalb kann ich Beachtung auch nicht verdienen, sie wird mir geschenkt oder nicht. Anerkennung ist das, was bedingt meine Funktion würdigt. Wo leiste ich wie welchen Beitrag zum Wohle und Erhalt eines Systems (als Mutter, Chefin, als Lokführer oder Schüler). 

  • Sie wissen ja, gern stelle ich ein paar Fragen:  Wie schenken Sie (ggf. nonverbal) wem (keine) Beachtung? 
  • Wie vermitteln Sie wem (keine) Anerkennung? Wo und wie können Sie das intrapersonell (sich selbst) tun? 
  • Welchen Sinn macht es, das so differenziert zu tun? Was fällt Ihnen in dem Zusammenhang schwer, was leicht? 
  • Auf welche Ideen bringt Sie dieser Text? 

Schön, dass es Sie/ Dich gibt. Und was wären mein Text anderes, als eine Sammlung von Buchstaben, wenn Sie sie/ Du sie nicht lesen würdest …

 In diesem Sinne dankend …

 Herzlichst  Jürgen Weist      

 

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