Blinde Flecken …

Heißen deshalb blinde Flecken, weil i c h sie meist nicht wahrnehme. Scheint doch klar, oder? Wenn ich Menschen berate, dann nehme ich meist eine tiefe Grundspaltung der Persönlichkeit wahr. Natürlich kenne ich das auch von mir. Da gibt es viele Ziele, Wünsche, Ideen wie: Ich sollte mehr das tun, mehr jenes Verhalten zeigen … usw.

Und … die Frage scheint nur banal, wieso tue ich es denn nicht einfach? Wer genau hält mich davon ab? Das ist dann die Stelle, die Zeit, zu der uns dann ganz viele rationale Begründungen einfallen. Wir gehen dann oft in den so genannten „Inhalt“, finden Gründe, die dagegen sprechen, Umstände, die uns gerade daran hindern … usw.

Wie war das noch mit dem blinden Fleck …? Schauen Sie doch einmal ganz genau hin! Versuchen Sie einmal ein paar Fragen vom Kaliber:

Wirklich? Absolut wirklich?
Was würde denn passieren, wenn (nicht)? Können Sie wirklich hellsehen?
Und? Wieso bedeutet das, dass es nicht geht?
Willst du oder nicht? Nichtwählen (gilt nicht nur für NRW) ist auch eine Wahl!
Wer oder was genau hält dich ganz konkret davon ab?
Was bilde ich mir ein, damit ich nicht automatisch handele?
Was blende ich aus, damit sich nicht verändert?
Was ist möglicherweise mein blinder Fleck?
Welche klärende Frage fällt Ihnen womöglich jetzt selbst ein?

Eine meist absolut neue Qualität erziele ich in Gesprächen mit anderen, wenn sie beginnen anzuerkennen, dass sie es sind, die sich verhindern. Das nennt C.G. Jung Individuation und ich Erwachsenwerden. Natürlich opfern wir dann auf dem Altar des Reifens oft den tiefen kindlichen Wunsch, dass sich jemand endlich um uns kümmert und uns so liebt, wie wir es uns wünschen. Mal ehrlich, warum sollte das jemand tun, wenn wir selbst dazu nicht einmal bereit sind ;-))) ?

Und … meiner Meinung nach haben die Zen-Leute recht, wenn sie behaupten, hör`damit auf, irgendetwas verbessern zu wollen. Das Ego-Grundspiel heißt, sich selbst nicht zu akzeptieren. Da ist es egal, was Ihnen´gerade nicht an sich gefällt. Die Kunst ist, JA zu sich zu sagen, so wie man im Moment ist. Aber schlichte Akzeptanz ist ja so wenig populär, weil man da so wenig tun muss, oder ?????

Also probieren Sie doch einmal: Geben sie (so gut es geht) einmal für eine Stunde am Tag die Kontrolle auf (es ist ohnehin nur eine Idee), lassen Sie mal Beurteilungen weg und versuchen Sie Ablehnung durch Mitgefühl (mit Gefühl) mit sich selbst und anderen zu ersetzen. Und … erleben Sie spielerisch, wie es Ihnen damit geht. Wenn es Ihnen nicht so gelingt, ja dann wissen Sie ja … keine Kontrolle, usw. – Mitgefühl ist völlig ausreichend.

Herzlichst

Jürgen Weist

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Grundlegender Geist

Beim Studium der psychologischen Grundlagen der asiatischen Kampfkünste „stolpere“ ich immer wieder über die Beschreibung eines Geisteszustandes, einer Haltung, die es ermöglichen soll, möglichst angemessen mit jeglicher Anforderung im Äußeren umgehen zu können.

Diese Art von Zustand wird auch nicht fixierter, freier Geist genannt. Der Zenmeister Takuan bezeichnet ihn auch den unbesorgten Geist. Takuan beschreibt auch eine entstehende körperliche und geistige Freiheit mit der folgenden Metapher:

„Der grundlegende Geist ist wie Wasser, das nirgendwo bleibt; der irrende Geist ist wie Eis, mit dem du dir weder Hände noch Gesicht waschen kannst. Wenn du das Eis zu Wasser schmelzen lässt, damit es überall hinfließen kann, dann kannst du dir auch Hände und Füße damit waschen. Wenn sich dein Geist auf eine Stelle fixiert du bei einer Sache verweilt, dann erstarrt er. Infolgedessen kann er nicht mehr frei und ungehindert benutzt werden, wie Eis nicht zum Waschen verwendet werden kann.“ (Zitatende).

Zenmeister und Krieger wurden nicht müde darin, zu wiederholen, dass dieser Zustand nicht nur im Kampf, sondern auch bei allen anderen Tätigkeiten und Berufen von Nutzen sei.

Welch Widerspruch zu unserer heutigen Zeit, in der wiederholbares Wissen so hoch geschätzt wird, oder ?

Es geht um einen Geisteszustand, der den ganzen Körper durchflutet, der keine Vorurteile hegt oder grübelt, ohne unachtsam zu sein.

Doch Achtung, der Teufel steckt mal wieder im Detail: Wenn der Geist sich von etwas befreien möchte, das ihn beschäftigt, dann wird dieses Befreien zu einer Beschäftigung, mit der sich der Geist beschäftigt. Wenn du nicht darüber nachdenkst, dann verschwindet es ganz von selbst, und du wirst ganz spontan unbesorgt.

Ein altes Gedicht sagt dazu:

„Zu denken, dass du nicht denken wirst, ist auch an etwas denken. Wirst du dich dazu entschließen, selbst an das Nicht-Denken nicht zu denken?“

Klingt doch erst einmal ziemlich verrückt, oder? Mein Fazit : grundlegender Geist entsteht einfach. Wo wir was tun können, ist in Bereichen wie: Zeit für mich nehmen, Freiräume lassen, für meine körperliche Weichheit sorgen (Yoga, Tai Chi usw.), meine Spannungen loslassen, mit meinen Themen ins Reine kommen und vieles andere mehr …

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Einladung

Folgende Idee ging mir inspirativ durch den Kopf:

Tue das, was Du tust (Beispiele: einen Brief einwerfen, Küssen, Essen, die Nase schnauben. Schimpfen, auf die Toilette gehen, Atmen usw.), so, dass es für Dich eine möglichst tiefe Würdigung des Lebens ist.

Testen Sie díese Haltung mal für eine Minute, Stunde, einen Tag. Ich verspreche Ihnen interessante Erlebnisse.

Herzlichst

Jürgen Weist

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Tipps zur Kultivierung der Eigenbeziehung

(aus dem Buch „nichts an dir ist verkehrt“ der Zenmeisterin Cheri Huber)

Wenn man beginnt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, dann sind zwei wesentliche Themen, den man begegnet, die Ablehung seiner selbst und die eigenen Ängste. Das o.a. Buch beschreibt diese Tendenzen, einfach, treffend und bietet gleichzeitig viele Anregungen im Umgang mit sich selbst. Ein Ausschnitt dazu hier:

1. Frage dich: Was hättest du dir immer gewünscht, von jemand anderem zu hören, aber nie hat es jemand gesagt?
2. Frage das Kind in dir, was es hören möchte.
3. Mache dir dazu eine Kassette. Sage dir die Dinge, die du schon immer hören wolltest. Sage alles, was das Kind hören muss, um sich geliebt und angenommen zu fühlen. Höre dieses Band mehrfach täglich.
4. Schreibe dir selbst Liebesbriefe.
5. Denke daran, täglich mindestens eine liebevolle Sache für dich zu tun.
6. Lege eine Liste von Dingen an, die du gerne haben möchtest, und fange damit an, sie dir selbst zu ermöglichen.
7. Jedes Mal, wenn du jemanden etwas schenkst, dann schenke auch dir etwas (auch wenn es etwas Kleines ist). Halte inne und würdige dich selbst für jeden freundlichen Gedanken bzw. für jede freundliche Handlung.
8. Sage danke zu dir selbst, wenn du etwas Freundliches tust.
9. Gewöhne dich daran, „ich liebe dich“ zu dir zu sagen. Sage es mehrmals täglich.
10. Suche Fotos von dir, als du klein warst, nehme sie, stelle sie an häufig besuchte Orte und beginne damit, diese kleine Person wertzuschätzen.
11. Führe Tagebuch über (selbst)ablehnende Verhaltensweisen. Jedes Mal, wenn du dir eines entsprechenden Gedankens bzw. einer Handlung bewusst wirst, behandele dich genau dafür mit bedingungsloser Akzeptanz und Liebe.
12. Suche dir Räume fürs Alleinsein (z.B. Meditation), um dir selbst gegenüber präsenter zu werden.

Sie kennen ja schon mein Lieblingszitat von Erich Kästner: „es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.“ Sie glauben, Selbstablehnung sei kein Thema für Sie? Versuchen Sie die Tipps mal genau deshalb …

Ich freue mich auf Ihre Kommentare oder Nachrichten unter weist@conzendo.de

Herzlichst

Jürgen Weist

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