Beziehungen pflegen

In den meisten Beziehungen sammelt sich über die Zeit ein Bodensatz von Unausgesprochenem an Ängsten, Phantasien, Schatten, Befürchtungen, Nichtgeäußertem an. Meist wird dies aufgrund bestimmter Überzeugungen ( …das kann ich doch nicht sagen … usw.) zurückgehalten und gärt dann vor sich hin.Wird es ausgesprochen und benannt, verliert es oft schon an Kraft (Rumpelstilzchen-Prinzip). Wertvolle Informationen werden frei.

Dabei geht es überhaupt nicht darum, wie (un)realistisch und (un)vernünftig diese Ideen, Phantasien usw. sind. Die Tatsache Ihrer Existenz an sich ist ausreichend, um sie zu würdigen. Ganz im Gegenteil je offener (alles darf sich zeigen) diese Übung genutzt wird, desto tiefgehender ist ihr Effekt!

Es geht (metaphorisch gesehen) darum, die Beziehung wieder in (vorübergehenden) Zustand der Unschuldigkeit zu versetzen. Da sich der Effekt oft wieder (man kann nicht nicht projizieren) verliert, kann diese Übung gern regelmäßig wiederholt werden.

Praktisch:

Fordere dein Gegenüber auf, ganz „offen“ und unverblümt auf dich als Mensch und die Situation in der ihr euch befindet zu projizieren (also als XYZ bist du …)

„Was sind Ihre schwärzesten („negativsten“) Vorstellungen in bezug auf unsere Beziehung? Etwas, was du sonst keinem wirklich so sagen würdest.“
„Was stört dich an mir wirklich manchmal? Wo gehe ich dir manchmal total auf die Nerven? (usw.) Antwortet der andere nicht, so kannst du einige Angebote zum Aufwärmen machen (und dabei noch Deine Eigenprojektionen testen und bearbeiten). Du wirst erstaunt sein, wie sehr Deine (unbewussten) Ideen die deines Gegenübers beeinflussen (je nach Beziehung).

Z.B.: Unsere Treffen sind doch nur verschwendete Zeit und Geld, oder ?

Natürlich kannst du diese Übung auch zum Auflösen der „positiven“ (ebenfalls meist verrückten) Zuschreibungen verwenden.

Viel interessante bei dieser ungewöhnlichen Beziehungspflege …

Herzlichst

Jürgen Weist

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Wem gehört die Welt …?

Im heutigen Leben gehört die Welt einzig den Dummen, den Selbstgefälligen und den Umtriebigen. Das Recht zu leben und zu triumphieren erwirbt man heute mehr oder minder mit den gleichen Mitteln, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht: die Unfähigkeit zu denken, die Unmoral und die Übererregtheit.

(aus Fernando Pessoa „Buch der Unruhe“)

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Die Göttin der Liebe und der Krieger des Herzens

Heute möchte ich n u r einmal (aus aktuellem Anlaß) auf einen Artikel von Peter Schreiber verweisen, den ich (wie heißt diese Seite ?) bemerkenswert fand.

W a r n u n g : es geht nicht, wie selbst der Autor in der Vorbemerkung (siehe unten) warnt, um die Beziehung zwischen Frauen und Männern, sondern um e t w a s, das (für mich) in allen Frau und Männern ist. Oft hat mich der Text an Ideen Carl Gustay Jungs Ideen erinnert, wenn es im Rahmen der Individuation um die Integration von Anima und Animus geht.

Der Vortext als Einladung:

Im folgenden Artikel geht es nicht um die Art und Weise, wie Frauen und Männer sich zueinander verhalten, nicht um Verhaltensweisen oder verinnerlichte Rollenbilder, sondern um die spezifische lebensenergetische Essenz des Femininen und des Maskulinen und die ihr zugrunde liegende spirituelle Einheit, die sich physisch erfahren möchte. In Anknüpfung an den Impuls des spirituellen Lehrers David Deida will der Autor einen Weg der Anerkennung dieser Qualitäten zeigen – ein durchaus riskantes Unternehmen in einer Zeit, wo nur die Leugnung der „kleinen Unterschiede“ korrekt erscheint. Erst das bewusstes Ergreifen der Geschlechter-Essenzen bildet aber nach Überzeugung des Autors die Voraussetzung dafür, die maskuline-feminine Polarität im Erleben des Einen aufzuheben. So betreten Frauen und Männer gemeinsam die Schwelle zu einem neuen evolutionären (Intim-) Bewusstsein.

Mehr unter:

http://www.info3.de/ycms/printartikel_1597.shtml

Viele Aha`s beim Lesen und natürlich viel Freude …

Herzlichst

Jürgen Weist

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Paradies

Das Paradies ist, wenn ich das Jetzt mit meiner Anwesenheit erfülle. (unbekannt)

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Ist (meine) Existenz sinnhaft?

Auf diese Frage antworten verschiedene philosophische Schulen ja ganz unterschiedlich.
Meine Grundannahme dabei ist:

Meine Existenz ist die Antwort des Lebens auf eine Frage des Lebens.

Dies bedeutet in erster Linie, dass es die richtige Frage zu finden gilt oder praktischer, welche Bedüfnisse (anderer) machen meine (oder Ihre) Talente erst so richtig wertvoll.

Ich gehe also davon aus, dass es Bedüfnisse, andere Menschen, eine Situation gibt, die meiner bedarf oder anders formuliert, es gibt einen Platz, an dem wir maximale „Schönheit“ entfalten.

Diesen Platz zu finden, macht das Leben zutiefst sinnvoll … oder?

Was meinen Sie?

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Bewusstseinentwicklung

(ein Text mit persönlichen Kommentaren basierend auf dem Kapitel „Wasser“ aus dem Buch „Seele“ von Peter Orban)

Der Autor beginnt diesen Text mit dem Begriff Wasser als Metapher für das (seelische) Leben und beschreibt dann die Bedeutung und die vier verschiedenen Ebenen der Symbole (erster bis vierter Ordnung).

Im weiteren Text benutzt er dann eine symbolische Geschichte der spanischen Mystikerin Teresa von Avila (geb. 1515) aus ihrem Buch Vida (Leben), um die tiefe Symbolik des Begriffes Wasser (als Symbol vierter Ordnung) zu erläutern.

In diesem Buch nutzt Sie das Bild eines Gartens, um die Seele zu beschreiben. In diesem Garten findet man Blumen (Tugenden) und Unvollkommenheiten (Unkraut). Dann zitiert sie das Bewässerungsgleichnis gürt Ihre Schülerinnen:

„Wer mit dem geistigen Leben beginnt, ist wie jemand, der einen Garten anlegen will, damit sich der Herr darin ergehen kann. Sein Grundstück ist wild und voller Unkraut. Seine Majestät selbst rodet es und setzt schöne Pflanzen ein. Dann aber müssen wir uns bemühen, mit der Hilfe Gottes gute Gärtner zu werden und die Pflanzen regelmäßig zu begießen, damit sie nicht vertrocknen, sondern wachsen blühen und herrlich duften, damit sich unser Herr daran erfreue.

(…)´Überleben wir nun, wie wir diesen Garten bewässern können .Ich meine, es gibt vier Arten:

1. Erstens kann man das Wasser in einem Gefäß aus dem Boden hochziehen, was eine große Mühe ist.

2. Zweitens kann man sich eines Schöpfrades bedienen, wie ich es manchmal tat. Das ist schon weniger anstrengend und man hat mehr Wasser.

3. Drittens kann man es aus einem Fluss oder Bach ableiten: das ist sehr viel wirkungsvoller, denn die Erde wird viel besser durchtränkt und man muss nicht so häufig bewässern, so dass dem Gärtner viel Arbeit abgenommen wird.

4. Viertens, wir müssen überhaupt nichts mehr tun, weil der Herr es kräftig regnen lässt; das ist unvergleichlich viel besser als alles Vorgenannte
(a.a.O., S. 45).

Danach erläutert Orban diese vier Stufen für Menschen, die (er nennt es) ihre Seele schauen wollen und das Ersehnte zu finden, wie folgt. Immer wieder geht es um den Satz: Erkenne dich selbst oder in der Version des Chilon von Sparta: Wer bin ich? Orban meint, heute wären die Fragen eher: Was kriege ich? Und wann werde ich endlich anders? (Recht hat er!!!).

Vereinfacht geht es zentral ums Thema, dass es einen Unterschied zwischen dem Garten (der Seele) und dem darin wohnenden Wesen (dem Gärtner) geht. Neudeutsch nennt man das: es gibt einen Garten (Bauch) und einen Gärtner (Kopf) und der Gärtner muss nicht unbedingt im Einklang mit dem Garten handeln. Darin ist er frei, nicht jedoch in den Konsequenzen. Nun zu den angekündigten vier Stufen:

1. Erstens kann man das Wasser in einem Gefäß aus dem Boden hochziehen, was eine große Mühe ist.

Diese Bild weist darauf hin, dass das Wasser mühsam von unten nach oben geholt werden muss. Ich muss viel Kraft investieren und muss mich an den Rand des Brunnens begeben, um von dort aus etwas aus der Tiefe nach oben zu fördern.

Orban weist dabei auf die Freiwilligkeit hin, denn ich hole das Wasser ja nicht für meinen Durst, sondern zur Förderung von etwas Größerem (des Gartens) nach oben.

In heutige Aspekte übersetzt heißt dieser Vorgang heute Therapie/ Beratung und der Eimer mit Seil ist der Therapeut bzw. Coach. Ich wende mich meinem Unten (meinem Unbewussten) zu und fördere etwas nach oben, was oft sehr anstrengend ist („was eine große Mühe ist“).

An diese Stelle verweist Orban deutlich darauf, dass Wasser keine Funktion des Eimers ist, auch wenn die Güte des Eimers bzw. Seils ausreichend sein muss. Sprich das Wasser ist ausschließlich das des Klienten (der Job des Berater besteht darin, ein gutes Werkzeug zu sein – was wirklich ausreichend anspruchvoll ist !!!). Und … manchmal, wenn Eimer und Seil nicht optimal funktionstüchtig sind, wird dem Klienten das Heraufholen des Wassers möglicherweise noch erschwert.

2. Zweitens kann man sich eines Schöpfrades bedienen, wie ich es manchmal tat. Das ist schon weniger anstrengend und man hat mehr Wasser.

Jetzt wird der Schöpfvorgang mittels einer Apparatur vereinfacht. Viele Eimer und Schaufeln, kreisförmig angeordnet erleichtern das Heraufholen des Wassers enorm. In einer Art institutialisiertem Vorgang geht das Schöpfen aus der Tiefe in einem geordneten Ablauf vonstatten.

Aus dem Patienten der Stufe eins ist ein Patient mit umfassenden therapeutischen Kenntnissen geworden: das heißt er ist jetzt Therapeut. Er macht in der Woche nicht mehr eine (oder mehr) Sitzungen , sondern zehn oder zwanzig.

Jetzt könnte man einwenden, er schöpft gar nicht mehr im eigenen Brunnen, sondern ist ist ja Eimer und Seil für seine Patienten. Aber, und: er macht Therapie: an dem Seil des Patienten steigt auch er in jeder Sitzung erneut ins Unbewusste ( auch wenn er es für das Unbewusste des Patienten hält). Beide sind füreinander Seil und Eimer. Jedem Berater sollte klar sein (bzw. werden): der Patient oder Klient ist sein Spiegel. Jeder, der glaubt: „ich helfe dem anderen“ – irrt zutiefst. Sein Klient ist dazu da, ihm zu helfen. Als ob sich Seele entschlossen hätte: wie schaffe ich es ihn/ sie beim Wasserschöpfen zu halten – ich bezahle ihn/sie dafür. Ich drück den Klienten 70 € in die Hand, die sie als Lockmittel beim Therapeuten abzuliefern haben.

In der Metapher der Teresa würde man vielleicht sagen können, aus der einfachen Nonne wird jetzt eine Schwester Oberin und damit wird sie Lehrerin und Vorbild der einfachen Nonnen.

3. Drittens kann man es aus einem Fluss oder Bach ableiten: das ist sehr viel wirkungsvoller, denn die Erde wird viel besser durchtränkt und man muss nicht so häufig bewässern, so dass dem Gärtner viel Arbeit abgenommen wird.

Der vorrangige Unterschied zu den ersten beiden Stufen ist der, das die dritte Art der Bewässerung nicht mehr in die tiefe geht, sondern zu ebener Erde stattfindet. In dieser Symbolik ( so Orban) liegt das Thema des Lebens im Hier und jetzt. Die beiden ersten Stufen beziehen sich immer auf die Arbeit am Vergangenen. Die ebene Erde träft die Symbolik der Gegenwart in sich. Hier und jetzt muss/ darf etwas getan werden. Voraussetzung ist eben, dass der Brunnen der Vergangenheit gelernt ist und der die Wahrnehmung frei für die Gegenwart wird.

Was soll getan werden? Dem Text gemäß muss etwas abgeleitet, umgeleitet werden. Etwas , dass in einer anderen bahn floss, muss eine neu Richtung erhalten. Kräfte, Energien und Treibe, die normalerweise zu bestimmten Zwecken ( Nahrungsaufnahme, Sexualität, körperliches Agieren) genutzt werden, werden sublimiert und können dann ( wenn sie in ihrem eigentlichen Zentrum nicht mehr genutzt werden) aufsteigen (wie z.b. bei der sogenannten Kundalinienergie).

Dieses Umleiten, wie immer es praktisch geschieht ( z.B. durch Fasten, Keuschheit, Tantra usw. findet immer im unmittelbaren jetzt statt. Die Schlüsselworte hier lauten Meditation, Kontemplation , Gebet, Versenkung und Konzentration auf die inneren Kanäle. Es geht um eine Umorganisation Neuverteilung meiner Energien.

Diese Technik (denn es bleibt eine) bedarf keiner besonderen Hilfsmittel. Dinge, wie Eimer, Seil und Schöpfrad sind nicht mehr notwendig. Diese Arbeit kann ich allein, ohne Unterstützung von außen durchführen. Manchmal kann es ratsam sein, einen Lehrer für die ersten Schritte zu haben …

Orban weist auf die Hierarchie dieser Stufen hin, dass z.B. Meditation ohne vorheriges Aufräumen der Vergangenheit meist so was wie seelische Fanatiker produziert (selbst wenn sie im Schafspelz auftauchen).

Ab der dritten Stufe muss ich noch etwas tun. Der Rahmen für diese Aktion bzw. für den Schritt in die Aktion braucht es den Willen des Ich.

4. Viertens, wir müssen überhaupt nichts mehr tun, weil der Herr es kräftig regnen lässt; das ist unvergleichlich viel besser als alles Vorgenannte.

Hier hat der Mensch mit seinem Tun nichts mehr suchen( ist doch wunderbar doppeldeutig, oder?). Alles menschliche Tun ist Vorbereitung ein Klären der inneren Räume, ein bereitmachen, eine Art Öffnungsprozess ( …werden wie die Kinder). Der Rest ist Offenbarung. Der Herr (so Teresa) lässt es regnen.

Nicht etwas, dass man darauf warten könnte, oder man sogar genau wüsste, jetzt (da alle Bedingungen erfüllt sind) wird es regnen. Nein, der Mensch hat nie wirklich sichere Gewissheit. Nie wird er erfahren, ob er auf den drei Stufen zuvor genügend getan hat. Dafür gibt es kein Signal, … außer es regnet.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Pfingsten

Wenn ich das irgendwie richtig erinnere, dann feiert das Christentum an diesem Fest, dass der „Heilige Geist“ die Jünger Jesu erreichte. Keine Ahnung warum, aber ich widme diesem Tag einen Text(ausschnitt) aus dem Buch der der Unruhe von Fernando Pesso.

„Wenn ich das Leben von Menschen aufmerksam betrachte, finde ich nichts darin, was es vom Leben der Tiere unterschiede. Die einen wie die anderen werden unbewusst durch die Dinge und die Welt geworfen; die einen wie die anderen legen hin und wieder eine Pause ein, die einen wie die anderen durchleben täglich den gleichen organischen Ablauf; die einen wie die anderen denken nicht über das hinaus, was sie denken, und sie leben auch nicht über das hinaus, was sie leben. Die Katze räkelt sich in der Sonne und schläft in ihr. Der Mensch räkelt sich im Leben mit all seinen Verwicklungen und schläft in ihm. Weder Tier noch Mensch entkommen dem schicksalhaften Gesetz, zu sein, was sie sind. Niemand versucht die Last des Seins aufzuheben. Die größten unter den Menschen lieben den Ruhm, aber nicht den Ruhm der eigenen Unsterblichkeit, sondern vielmehr ene abstrakte Unsterblichkeit, an nder sie womöglich keinen Anteil haben.“ (…)

Ihnen ein frohes Pfingsfest

Herzlichst

Jürgen Weist

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