Das Prinzip des ersten Impulses

Geht es Ihnen nicht auch manchmal so?

In Ihnen entsteht eine Idee und sofort danach kommen Ihnen Be-DENKEN.
Was werden wohl die anderen sagen? Geht das wirklich gut? Welches Risiko habe ich? Und was ist, wenn es total schief geht? Je länger Sie nachdenken, desto weniger bleibt vom ursprünglichen Impuls übrig und schließlich verläuft er im Sande …
gestorben, bevor er wirklich geboren wurde.

Gleichzeitig haben viele Menschen Sehnsucht danach, Ihren Alltag lebendiger, ursprünglicher, spontaner, unmittelbarer zu gestalten. Sich wirklich zu spüren und diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen, ist in meinen Beratungen oft ein wesentliches Thema.

In seinem Buch „Schwert der Seele“ empfiehlt der Kampfkünstler und Zenmeister Vernon Kitabu Turner ( www.soulsword.com) folgende Übung:

Übung:

Üben Sie einmal, bei Handlungen oder Unterhaltungen den zweiten Gedanken zu ignorieren. Handeln Sie selbstbewusst aus dem ersten ursprünglichen Impuls heraus. Erlauben Sie sich – im Interesse von Spontaneität und Flexibilität – auch Fehler zu machen. Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass der Konflikt zwischen Gut und Böse (sprich Recht und Unrecht) eine Krankheit des Geistes sei.
Wenn man die Angst ablegt, Fehler zu machen, entspannt das den Geist enorm.

Zum Thema Kontrolle zitiert Turner-Roshi Shunruyi Suzuki. Dieser sagte, man kontrolliere Kühe, indem man Ihnen eine riesige Weide zur Verfügung stelle. Erleben Sie was passiert, wenn Sie Ihren Geist ungemein viel Freiheit geben.

Erinnern Sie sich daran, dass die Wahrnehmung der inneren Impulse eine gute Übung ist, sich selbst näher und näher zu kommen. Wichtig erscheint mir, dass Sie nicht jeden Impuls gleich 1 zu 1 ausleben müssen. Einen Impuls wahrnehmen (annehmen), ihm Raum geben und ihn ausleben sind verschiedene Qualitäten.

Am Ende einer solchen Entwicklung steht möglicherweise ein Bewusstsein, dass unmittelbar ins Handeln fließt. Man handelt selbstvergessen, ohne zu denken (wie z.B. Künstler, Sportler). Der amerikanische Professor Csikszentmihaly benannte diese Qualität als „Flow“. Der Schriftsteller Paul Coello nennt das im Roman der Alchemist: „Folge den Zeichen“. Die Taoisten beschreiben diesen Zustand innerer Verbundenheit als tiefe Tugend, in der das Angemessene von selbst entsteht.
So bleibt in dieser Art von Nichts-Tun nichts ungetan.

Der Weg dahin scheint mir ein Weg des (Ver-Lernens, des Auf-Hörens, Auf-Gebens). Wie las ich letztens in einem Buch von Werner Eberwein über Körpertherapien:
Es kann nicht getan werden, und doch muss vieles getan werden.“

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und (ent)spannende Erlebnisse mit der Übung des Handelns aus dem ersten Impuls heraus.

Wenn Sie Lust haben, so fügen Sie diesem Artikel einen Kommentar bei oder senden Sie mir eine persönliche Mail – vielleicht mit Ihren Erfahrungen- unter dialog@conzendo.de.

Jürgen Weist

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Wahrheit verwandelt,
Liebe schützt,
Vertrauen manifestiert.
(Vernon Kitabu Turner)

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Das „Umzu-verzweckt“.

Wie sich Ziele auch auswirken können …

Haben Sie je darüber nachgedacht, dass das Wort Absicht (ab der Sicht) auch so etwas wie „ daran vorbeischauen“ bedeuten könnte?

Ich möchte Ihnen ein persönliches Erlebnis schildern. Als ich vor einiger Zeit fastete, versuchte ich mein Jogging-Pensum zu halten. Das machte mir eingangs ziemliche Kreislaufprobleme. Folge war, dass ich eine bestimmte (willentlich ausgewählte) Strecke lief, um dann wieder einige (Erholungs-)Zeit zu gehen. Irgendwie merkte ich bald, das Ideen da waren wie:“okay Jürgen, bis zum Deich, dann wieder gehen“. Aber irgendwie passte das nicht optimal. Ich begann diese Absichten infrage zu stellen und fing an, zu laufen, wenn mein Körper laufen wollte und zu gehen, wenn mein Körper Lust auf Gehen hatte. Vom Gefühl her passte das dann viel viel besser…

Nicht nur, dass mir eines meiner Muster deutlich wurde, ich begann auch neu über Ziele nachzusinnen. Mir kamen folgende Gedanken:

Die meisten Ziele werden im Außen gesetzt (oder Sie formulieren ein Ziel z.B. in der Weise: was werde ich fühlen wenn …, wie werde ich atmen, wen ich das erreicht habe? usw.

Nehmen Sie wahr, was passiert, wenn Sie sich zirkulär ein „inneres Ziel setzen“ (z.B. ich werde eins mit dem Atemrhythmus, sich besser zu fühlen usw.) Idealerweise erreicht man äußere Ziel in innerer Verbundenheit.

Ziele zu setzen, bedeutet auch, die Energie und Wahrnehmung in Bezug auf das Ziel und dessen Erreichung zu organisieren (Fragen wie: wie weit bin ich?; habe ich mein Ziel schon erreicht? usw.). Signale, die nicht mit der Zielerreichung zu tun haben, werden nicht oder erst dann wahrgenommen, wenn sie eine gewisse Intensität erreichen. Kennen Sie das?

Der Raum für ein „Offensein“ (was passiert den wirklich?) geht verloren. Alle die feinen (sublimen) Signale aus dem Innen und Außen werden bewusst nicht mehr wahrgenommen. Eine Art Ab-Sonderung entsteht (wir verlieren unsere Sensibilität für Impulse des Unbewussten und der Seele).

Dabei geht es mir nicht darum, ausschließlich meinen Impulsen, meinen Trieben zu folgen. Ich würde sie jedoch gern in mein Tun einfließen lassen (wie z.B. in dem Beispiel mit dem Joggen). Im kultivierten Wechselspiel zwischen Unbewussten und Bewussten entsteht eine ganz neue Qualität fürs Leben. Vor kurzem ist mir dazu ein Bild gekommen. Wie zwei Schlangen, die sich einander anlehnend, sich spiralförmig umeinanderdrehend vom Boden in die Höhe aufrichten (denken Sie an das Bild des Äskulapstabes).

Unter mehr erhalten Sie eine interessante Anregung …

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Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Vom Können zum Werden II

Viele Menschen streben nach äußerer Perfektion, nach optimaler Beherrschung von immer neuen Formen, Strategien und Techniken (egal ob Wissen oder Können), um sich behaupten zu können. Meistens geht es hier im weitesten Sinne ums „Gewinnenwollen“ – ein Spiel des Ego und gleichzeitig der Stoff, aus dem Konflikte sind.

Denn wenn die Formbeherrschung zum alleinigen Ziel wird – erstarrt sie. Die Form verliert dann ihr Potenzial als Quelle von Sinn und degeneriert zur schalen Nachahmung, sei sie auch noch so perfekt. Oft wurde die Form selbst zum Dogma oder wie ein Freund sagte: die Regeln stammen selten von den Meistern, meistens wurden sie von den nachfolgenden Jüngern „form-uliert“. So gebraucht tötet die Form Ihren eigenen Sinncharakter.

Die Form ist jedoch nicht nur Hülse, sie ist auch Funktion. Wo die Form den Kern des Menschen berührt – da wird Sinn geboren.

Form so verstanden, ist nicht nur bloße Gestalt, sondern auch wiederkehrender Ort von immer neuer Erfahrung. Im Sinne von: das jetzige Können ist das Fundament zukünftigen Werdens.

Der Unterschied liegt nicht in der Form selbst. Ihr Aussehen (von draußen betrachtet) ist in beiden Fällen nahezu gleich. Der Unterschied liegt in der schon erwähnten Absicht. Geht es mir ausschließlich um Ziele wie Anerkennung (die äußere Welt) oder ist persönliches Wachstum (die innere Welt) die Ausrichtung.

Die Übung einer Form als Weg zur persönlichen Reife, sei es eine Kommunikationstechnik oder ein Tanzschritt, hat genau da ihren Ursprung. Nämlich in der Antwort auf die Frage: worum geht es mir wirklich? Dient sie der Stabilisierung des Ich oder ist sie Weg über das Ich hinaus in einen Raum wachsender Lebendigkeit.

In meiner persönlichen Praxis helfen mir Dinge wie Verzicht, Ziellosigkeit und der bewusste nichtwertende Fokus auf das, was gerade jetzt entsteht. Wie die Buchstaben, die gerade jetzt auf dem Display meines Rechners erscheinen und ich dabei „fest-stelle“, es schreibt mich ein Text.

Wie auch immer, liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Dir viel Gelingen auf Deinem Weg zum Werden.

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Fast(en) einmal ganz anders…

Ich habe gerade eine einwöchige Fastenzeit durchlaufen und wieder einmal wahrgenommen, wie wenig leicht es sein kann, von Gewohntem (das man scheinbar braucht) zu lassen. Ich finde es immer wieder interessant auf der Klippe zwischen Scheitern und Erfolg zu wandeln und mich darin (spiegelnd) wahrzunehmen.

Da die Zeit vor Ostern die klassische Fastenzeit ist, möchte ich Sie dazu einladen. Einladen zu erleben, wie es ist, dass man es ( Essen, usw.) nicht „so“ benötigt ( wie man denkt). Das man frei sein kann, wenn man bereit ist.

Zu spüren, das sich in der Enthaltsamkeit, dem Fasten, Altes entlädt – reinigt – einen verlässt, damit man sich dann gereinigt auf neuem Level ganz wohlfühlen kann.

Da das Fasten in Sachen Nahrung nicht jedermanns und jederfraus Sache ist habe ich folgende Ideen für Sie:

1. Bestimmen Sie intuitiv einen Zeitraum!
2. Was ist das Thema, das Sie persönlich im Moment möglicherweise vom
Wohlfühlen trennt bzw. Sie darin einschränkt?
Was ist Ihnen denn z.B. besonders wichtig?
Welche Gewohnheit wirklich stark?
3 . Nehmen Sie genau „das“, um genau „das“ die von Ihnen gewählte Zeit zu lassen.

Beim Schreiben beginne ich mit dem Worten zu spielen: das Zulassen zu lassen. Das Lassen zulassen …

Beispiele:
· Sich eine Woche nicht infrage stellen.
· Sich und andere drei Wochen nicht kritisieren.
· Zwei Wochen keine Zeitung lesen und Nachrichten hören (Ablenkung).
· Sich drei Tage keinen Streß machen.
· Eine Stunde nicht denken.

„Es reicht nicht zu wissen, man muß es auch tun“. ( nach Goethe).

In diesem Sinne wünsche Ihnen gute Erfahrung im Prozess des Nicht-mehr –Tuns (Fasten).

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Ihr

Jürgen Weist

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