Die eigenen Konditionierungen durchbrechen …

Gerade habe ich mir ein Video eines der wohl bedeutendsten Weisen dieses Jahrhunderts angesehen. Ich spreche von Jiddhu Krisnamurti und es ging in dem 1980 aufgenommen Film um das oben angegebene Thema.

Ich werde einmal versuchen, das, was ich erfassen konnte, in meine Wort zu kleiden und mich dabei auf das für mich Wesentliche beschränken …

Krisnamurti sprich in diesem Beitrag davon, dass wir in Unordnung leben und das aus dieser Unordnung Effekte wie Konflikte, Hass, Angst, Sorgen und Trennung entstehen.

Diese Unordnung entsteht insbesondere dann, wenn wir das, was gerade ist (z.B. eine Person, Sache, uns selbst usw.), anders haben möchten, als es, sie, wir gerade ist/ sind.

Der Prozess der Verfälschung beginnt schon dann, wenn unser Denken und Wissen (die als Erfahrung immer vergangenheitsbezogen und ihrer Natur nach unvollständig sein müssen), etwas als etwas Bestimmtes (z.B. mit einem Wort) bezeichnen.

Beispiel:

Ich bin wütend (was ich meist erst Sekunden nach dem Zustand realisiere). Das Wort wütend benutze ich in Erinnerung an ähnliche Zustände in der Vergangenheit. Diese aktuelle Wut ist jedoch einzigartig (im Sinne von man kann niemals zweimal auf die gleiche Weise wütend sein). Was dann hier stattfindet, ist schnell die Verwechselung von Tatsache und Wort. Denn das Wort Wut bezeichnet nicht genau das, was gerade ist, eher die Summe der vergangenheitsbezogenen Erfahrungen.

Üblicherweise schafft dann das Denken einen Gegensatz, wie: Ich sollte jetzt ruhig sein. Das schafft zusätzliche Unordnung, weil die Wut i s t (also eine Tatsache ist), das „ruhig sein“ aber eher nur die Qualität (schmunzelnd … kommt von auch quälen) einer Nicht-Tatsache hat (im Sinne einer Idee, eines gedachten Ideals). Das Denken schafft also das Gegenteil dessen was ist, in der Annahme, dies würde helfen und erzeugt so einen grundlegenden Konflikt (Trennung).

Krisnamurti empfiehlt hier: Beobachte einfach! Das, was ist (die Tatsache), ohne dich von ihr zu entfernen. Es gibt nur das, was ist, nicht wie du es nennst (wiedererinnerst) oder denkst. Denken, Bezeichnen usw. deutet Krisnamurti eher als ein sich entfernen von, ein Vermeiden dessen, was gerade jetzt ist.

Diese reine, unverzerrte Beobachtung, die enthüllt, was gerade ist, bezeichnet er als Durchbrechen der Konditionierung (bzw. habe ich es so verstanden …;-))) ). Können Sie etwas ohne Motiv betrachten, ohne dass es Sie an etwas erinnert, ohne dass Sie es deuten, analysieren oder bewerten? Können Sie letztlich ohne Bindung (an das Beobachtete) sein? Krisnamurti bezeichnet dieses sich an etwas oder jemanden binden als Grundlage für Angst, Eifersucht, Konflikte und Hass. Liebe, so Krisnamurti, entsteht erst jenseits einer Bindung.

Alles klar? ;-)))

Falls nicht oder falls ja, gleichermaßen gültig. Alles, was eine Ursache hat, so Krisnamurti, hat auch ein Ende. Probieren Sie doch einmal (minutenweise, stundenweise, tageweise), wie es für Sie ist, wenn:

· Nichts anders sein braucht, als es gerade ist,
· Sie nicht anders sein/ werden wollen, wie Sie genau gerade jetzt sind,
· Sie Dinge so wahrnehmen, als hätten Sie sie noch nie gesehen.
(Zen: Anfängergeist/ Bibel: sein wie die Kinder … ohne einzuordnen).
· Niemand Ihnen (außer Sie sich selbst) bei irgendetwas helfen kann.

Und Sie nutzen Ihr gesamten Bewusstsein (Einfühlungsvermögen) um mit dem zu sein, was wie gerade ist. So dass Wahrnehmender und Wahrgenommenes sich miteinander vermischen, nicht trennbar …

Und wenn es so nicht klappt, dann:

a) erkennen Sie für sich, wo bin ich wie gebunden?
b) Fragen Sie sich: kann ich, ohne Analyse, die Konsequenzen der Bindung erfassen?

Vielleicht haben Sie Fragen oder Anmerkungen. Fügen Sie diesem Artikel doch einen Kommentar bei oder senden Sie mir eine persönliche Mail – vielleicht mit Ihren Erfahrungen- unter weist@conzendo.de.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Nicht nur für Konflikte … gut!

Gerade erinnere ich mich daran, dass ein Aikido-Trainer , den ich sehr schätze, mal gesagt hat: „Konflikte sind eine besondere Form der Beziehung“.

Also …, in der letzten Woche bin ich über eine Idee „gestolpert“, die ich zunächst für ziemlich einfach und banal hielt. Bei näherem Hinsehen und vor allen Dingen beim Ausprobieren entstand dann doch ein ganz anderer Eindruck …

Aber testen Sie selbst.

Es geht um NAIKAN. Naikan stammt aus Japan und bedeutet übersetzt so viel wie „Innen-Schau“.

Im Kern besteht Naikan aus nur drei Fragen, die es durchaus in sich haben können. Denken Sie doch einmal an eine Person, mit der Sie im Moment eher eine besondere Form der o.a. Beziehung haben. Ich denke da an Konflikte, Ablehnung, Stress und dergleichen. Und dann stellen Sie sich doch bitte einmal aufrichtig die folgenden Fragen:

1. Was hat diese Person f ü r mich getan?
2. Was habe ich f ü r diese Person getan?
3. Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person bereitet?

Und … zwei weitere Fragen, die in dem Naikan-Buch aufgetaucht sind, das ich „überflogen“ habe waren:

4. Welche Schwierigkeiten hat diese Person mir bereitet?
5. Wohin gehe ich nach meinem Tod?

Und der Weistsche Zusatz, mit dem ich zur Zeit übe: Wie würde sich die Beziehung qualitativ verändern, wenn Sie in Bezug auf diese Person, Sache oder Angelegenheit gar nichts mehr wüssten. Also die Person ist weder noch so oder so und macht auch nichts deshalb oder deswegen. Keine Annahme, kein Wissen. Was ist dann wie anders?

Sie können natürlich auch alle Idee in diesem Text auch sich selbst, sprich auf Ihre Eigenbeziehung anwenden. Kommt gut …!

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Jürgen Weist

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Zuneigung und Abneigung = Spielweisen des EGO?

In den letzten Tagen bot mir das Leben verstärkt die Möglichkeit, mich mit dem o.a. Thema intensiv zu befassen. Daraus ist folgender „Leer-Satz“ entstanden: „Wenn ich mir die Zuneigung anderer wünsche, dann darf ich ihre Abneigung nicht verweigern“!

Gern schlage ich in solchen Situation mal nach, wohin Sprache an diesen Stellen deutet. Also im Duden (Ursprungswörterbuch) fand ich zu Neigung folgenden Inhalt:

Neigen stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Althochhochdeutsch stammt es von hneigan ab, was das Veranlassungswort zu dem ehemals starken Verb hiken/ hnigen war und soviel wie : Sich beugen, sich neigen, sinken bedeutet. Es hat eine nahe Verwandtschaft mit nicken (was im Ursprung soviel wie sich heftig und wiederholt beugen bedeutet).

Im Lateinischen (niti) bekommt es gleich eine leicht andere Weise: auflehnen, sich stemmen, stützen (mit Nähe zum Wort renitent). Weitere Worte, die die Vielseitigkeit von Neigung aufhellen: Verneigung, Zuneigung, Abneigung, etwas geht zur Neige (letzter Inhalt eines Gefäßes, Rest), Neigung (als Gefälle).

Da interessierte mich doch gleich noch einmal das Wort wenden, im Sinne von zuwenden und abwenden. Es stammt von dem Wort winden ab (sich winden!). Spannend nicht wahr?

Für mich wurde daraus deutlich, dass Ab- und auch Zuneigung aus der gleichen Quelle gespeist werden. Der Volksmund sagt ja nicht umsonst, dass Liebe und Hass ganz dicht bei einander liegen …

In beiden Worten steckt ja auch Neigung im Sinne von Gewohnheit oder Angewohnheit (meinen Mustern). Man könnte also die These aufstellen, wenn etwas meinen Mustern entspricht, dann neige ich mich ihm zu; wenn etwas nicht (oder nicht mehr) meinen Mustern entspricht, dann neige ich mich ab. Ganz normal, nicht wahr? Andererseits der beste Schutz vor Veränderung … oder?

Mein Freund Ralf fragte mich dann in einer Diskussion zum Thema, was denn dann das Ziel sein könne. Wäre denn, so Ralf, das Ziel gar nichts mehr zu spüren?
Wir kamen überein, dass ein mögliches Ziel wäre, sich von welcher Neigung auch immer (ob sie sich als Kompliment oder Ablehnung maskiert) zwar berühren, aber nicht mehr treffen (Ralf meinte: „Durchbohren“) zu lassen. Kurzum, ich möchte wahrnehmen können, was passiert und bei mir und beweglich bleiben können (eine Umschreibung für frei sein).

Wie im Aikido, wo ich genau spüre, dass mich etwas nur dann betrifft (aus dem Gleichgewicht bringt), wenn ich an der entsprechenden Stelle „nicht durchlässig“ bin. Und wenn ich nicht durchlässig bin, dann bin ich meist in guten Kontakt zum dem, was ich mein Ego nenne. Tschja, wie hat mal jemand gesagt: Probleme sind Lösungen in Arbeitskleidung …

Etwas womit ich im Moment für mich übe, ist das Thema Bedingungslosigkeit. Ein wirklich spannendes und zugleich entspannendes Thema. Ein der besten Texte dazu (von der Satsang-Lehrerin Pyar Troll) unter mehr …

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Jürgen Weist

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Ablehnung macht ähnlich …
(Bert Hellinger)

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Die Verführung des Bewertens

Kennen Sie den Kinofilm Starwars? Dann erinnern Sie sich sicher an den Meister Yoda und seinen Schüler Luke Skywalker. In einem Gespräch über die Unterschiede zwischen der weißen und dunkelen Seite der Macht antwortet Yoda auf die Frage seines Schülers, ob die dunkele Seite stärker als die helle sei:“ Nein …, nein, .Schneller, leichter, verführerischer“.

Ein Teil unserer Persönlichkeit, die Struktur, die sich aus der Summe unserer Lebenserfahrungen ergibt ist unser Ich. Dieses Ich hat gelernt zwischen Dingen zu unterscheiden. Soweit so gut. Wenn die Unterscheidung jedoch dazu führt, dass Qualitäten nicht als:

· gleich – gültig
· be – liebig
· gleich –wertig

erkannt werden, dann sind Phänomene wie „Gegen-Stand“, „Ab-Lehnung“ und „Wider-Stand“ die logische Folge. Wenn ich dabei Worte wie gleichgültig, beliebig und gleichwertig nutze, dann meine ich das nicht im Sinne von: mir ist etwas egal, sondern ich erachte „es“ als ebenbürtig (aus der gleichen Geburt), gleichrangig usw.

Natürlich hat auch Widerstand seinen tiefen Sinn. Er hilft uns, uns in ihm zu spiegeln, uns bewusst wahrzunehmen – nicht, um uns darin zu suhlen, einen endlosen Kampf kämpfend, der schon verloren ist, bevor er beginnt …

Also … wenn Sie mal wieder etwas bevorzugen möchten, dann bitte: NICHTS.
Alles sind Qualitäten (des gleichen Lebens)! Punkt! Nichts ist schlecht, nichts gut. Nicht dieses, nicht jenes.

Es passiert etwas in Ihrem Leben. Gehen Sie mit der Bewegung! So bleiben weder Sie noch die Bewegung unbeeinflusst. Dagegen zu halten ist wie .. .
Na´ sie wissen schon.

Als semiprofessioneller Tipp:

Natürlich beschreibe ich hier eine Art Ideal. Folgen Sie ihm, so gut es geht. Und bleiben Sie entspannt, während Sie es tun. Haben Sie den Mut zur Unvollkommenheit.

Jede Idee, jede Theorie ist Vergangenheit (leider auch meine ;-)) ). Lernen findet immer jetzt statt. Probieren Sie das lernende Werden von Moment zu Moment. Vielleicht hat Goethe mit seinem Zitat: „Sterbe und werde“ etwas Ähnliches gemeint. Ständig vergeht etwas Altes, damit Neues Raum bekommt. Auch in Ihnen und mir. Das ist Leben.

Also …, wenn Sie soooooooooo weit sind (wenn Sie reif genug sind … , Ihr Bewusstseinsraum scheinbar getrennte Aspekte gleichzeitig wahrnehmen kann bzw. möchte), ja, dann sind Sie wie immer herzlich eingeladen, meine Ideen auf Ihre Wirksamkeit zu prüfen.

Um Goethe ein zweitesmal zu zitieren:“ es reicht nicht zu wissen, man muss es auch tun“.

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Jürgen Weist

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