Sommerpause

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der nächste Eintrag erscheint nach meinem Urlaub am Wochenende 18./19. September …

Herzlichst

Jürgen Weist

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Form und Sinn,

Als Aikidoka, Coach und Trainer frage ich mich oft (im Sinne Batesons), wasist der Unterschied, der einen Unterschied macht. Oder anders gesagt, wenn zwei das Gleiche machen, ist es lange noch nicht dasselbe. Was wollen wir voneinander lernen? Was können wir voneinander lernen? Und warum heißt es inden Kampfkünsten, es gehe beim Lernen einer Kunst um einen Transfer von Herz zu Herz?

Da wo die Form den Kern des Menschen berührt – entsteht Sinn. Die bloße
Nachahmung wirkt oft leer und starr. Und: ein bestimmtes (egozentrisches) Ziel zu haben, tötet den Sinn. Was heißt das? Was ist der Unterschied zwischen einem Original und der Nachahmung?

Der persische Mystiker Rumi dazu:
Eine Zeitlang verbrachte ich andere kopierend, in mir selbst fand ich nicht die angemessene Regel; da hörte ich mich beim Namen gerufen: Als ich mich verließ und hinaustrat, erkannte ich mich.

Für mich macht das Innere den Unterschied. Zwei Handlungen können von außen gesehen völlig gleich aussehen, sind jedoch in Ihrer Wirkung völlig anders. Die Reife, die persönliche Haltung, der innere Focus des Anwenders (so möchte ich behaupten) entscheiden.

So wie die äußere Wirkung unterschiedlich ist, so unterschiedlich ist auch
der innere Lohn. Mache ich etwas, weil ich äußere Anerkennung möchte
(sekundäre Motivation), dann ist oft Unsicherheit, Gespanntheit und Angst
(vor dem Verlust, der Ablehnung) die Folge. Mache ich das Gleiche aus einem inneren Bedürfnis heraus (primäre Motivation), dann bin ich kreativ, entspannt und erfahre ein Gefühl von Befriedigung und Erfüllung. Meist ist auch das Zweite im Äußeren erfolgreicher. Denke man an einen Künstler, der Musik macht, weil er berühmt werden möchte und einem Künstler, der seine Musik einfach liebt. Bei wem springt wohl der „Funken“ eher über ?

Ich glaube so ist mit dem Leben von uns allen. Viele Menschen suchen nach einer Berufung und sprechen davon, dass sie auf der Suche nach ihrer Vision sind. Doch geht es da nicht auch weniger um das Was als das Wie? Genau das (in einer Weise) zu tun, die uns selbst zutiefst berührt und diese Wirkung auch außen erzeugt. Das zu tun, was zutiefst sinnhaft für mich (und die Welt) ist? Das zu tun, was nur ich genau so tun kann – niemand anderer. Dann entsteht Tugend, nicht wahr?

Am 8.-10.Oktober werde ich in Hamburg zu diesem Thema ein Wochenend-Seminar geben. Es heißt „das eigene leben“. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten:
http://www.conzendo.de/seminare/das_eigene_leben.html

Vielleicht brauchen Sie das Seminar jedoch schon nicht mehr, wenn Sie Ihre Antwort auf die folgende Frage finden:

Gibt es etwas, für das du bereit wärest, zu sterben?

Und wenn Sie eine Antwort für sich finden, dann fragen Sie sich bitte, ob
sie auch bereit wären, genau dafür zu leben …?

Ihr Kommentar und auch Ihre Fragen sind wie immer willkommen …

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Jetzt – wann denn sonst

Heißt der Titel eines Buches von Ken Keyes Jr. erschienen im Oesch-Verlag.

Es geht um Momente des Glücks, Lebenssinn und andererseits Selbstbetrug.
Der Autor beschreibt drei Rezepte, die seiner Meinung nach helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Sie ähneln stark dem, was ich auch gerne empfehle (von daher war es wahrscheinlich kein Wunder, dass sie mir gefielen). Und diese drei Aspekte haben es in sich …
Sie lauten wie folgt:

1. Frage nach dem, was du haben willst, aber verlange es nicht.

2. Akzeptiere, was immer auch geschieht – für jetzt.

3. Lasse deine Liebe wachsen – auch wenn du nicht das bekommst, was du haben willst.

Wenn Sie diese Thesen „ansprechen“, dann empfehle ich Ihnen das Buch. Es ist leicht und ansprechend geschrieben, enthält klärende Erläuterungen und ermutigende Hinweise zu jeder dieser drei Thesen. Ganz leicht und doch so anspruchsvoll …, nicht wahr?

Wobei … das Wesentliche wissen Sie ja jetzt schon. Vielleicht passen diese Ideen gut zu dem Artikel der letzten Woche. Dort habe ich versucht zu beschreiben, dass Wissen und Tun zwei verschiedene Qualitäten sind. Wie sagte (ich glaube es war Goethe): Wissen und es nicht tun, ist, wie nicht wissen.

Vielleicht tauchen Anmerkungen oder Fragen bei Ihnen auf. Fügen Sie diesem Artikel doch Ihren Kommentar bei oder senden Sie mir eine persönliche Mail – vielleicht mit Ihren Erfahrungen – unter weist@conzendo.de.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Tiefen-Wirkung

Oder wie bringe ich gute Ideen in meinen Alltag, mein Leben.

In den letzten Tagen begegnete mir in ganz unterschiedlichen Formen und Gestalten die folgende Idee:

Es gibt einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis – in der Tat.

Mal ging es um die Frage, soll ich Bücher lesen? Mal, um die Frage, warum hat sich noch nichts verändert, obwohl ich glaube, ich weiß genau, warum was wie in meinem Leben ist? Dann z.B.: Ich weiß, ich müsste meditieren, aber irgendwie bekomme ich das nicht hin. Oder jemand beschreibt mir genau sein Problem und hat auch die Lösung (als Idee) parat. Ja, und so weiter und so fort.

Wissen ist oft der Trostpreis, so lautet mein Lieblingszitat dafür oder mit den Worten von Kitabu Turner: Erst im Handeln zeigt sich die Tiefe deines Verstehens.

Also, was nützt es mir, wenn ich (obwohl ich gewusst hätte, wie es anders geht) beim Aikido auf der Matte falle. Fallen ist fallen! Punkt! Es klingt ein wenig martialisch: Wenn ein Samurai den tödlichen Schwerthieb erhalten hat, dann nützte es nur noch wenig, wenn er gewusst hätte, wie er hätte ausweichen können.

Es geht also in Richtung Unmittelbarkeit. Direktheit. Jetzt-Das! Da genau liegt die Macht, etwas zu tun. Wenn einem drei Tage später einfällt, was man hätte tun können, dann ist es halt zu spät. Und dann darüber nachzudenken, was kann ich beim nächsten Mal anders machen, halte ich auch nur für bedingt sinnvoll, weil die gleiche Situation so sowieso nie wieder auftaucht.

Gibt es auch diesem Dilemma eine Lösung?

Ich glaube ja. Ich kann mich sozusagen grundsätzlich vorbereiten. Ich kann an meiner Präsenz, meinem Einfühlungsvermögen, ja letztlich an meinem Bewusstsein arbeiten. Denn diese Qualität bewirkt, wie ich wann was durchlebe bzw. mein beeinflusst mein Handeln.

Ich möchte Ihnen Prinzipien aus den Kampfkünsten anbieten, die sich vielleicht für normale Ohren zunächst etwas ungewohnt anhören. Aber schauen Sie selbst. Es geht um die folgende Übungsfolge:

1. Ich bewege mich durch die Form (von Sequenz zu Sequenz). Die Form ist hier eine Art Gefäß. Beispiel: Sie lernen Tanzschritte und probieren zunächst einmal die Schrittfolge und deren Ablauf. Das ist zunächst möglicherweise noch ganz ungewohnt. Es sieht vielleicht noch unbeholfen aus und vermittelt Ihnen noch kein ausgeprägtes Kompetenzgefühl.

2. Ich fließe durch die Form und fülle dabei die Form mit Essenz (Bewusstsein). Im Beispiel: Die Schrittfolge haben Sie integriert. Sie fällt Ihnen leichter und leichter und müssen immer weniger darüber nachdenken. Meist ist das die Phase, wo das, was man tut, beginnt so richtig Spaß zu machen.

3. Die Form fließt durch mich. Ich bin Essenz. Das wäre die hohe Schule jeglicher Kunst. Im Beispiel: Ich tanze selbstvergessen den Tanz. Tanz und Tänzer verschmelzen zu einer Einheit.

Stellen Sie sich vor, sie wären in der Lage gute Ideen, Impulse und Anregungen so in Ihre persönliche Lebenspraxis zu übernehmen? Würde da nicht eine neue Tiefe bzw. ungeahnte Qualität entstehen?

Wie sagt Martin Schmid in seinem Buch „Taiji“: Die Form ist ein Gefäß für die Wahrheit …

In diesem Sinne …

Ihr Kommentar ist herzlich willkommen. Sie können mir auch persönlich unter weist@conzendo.de eine Mail mit Ihren Erfahrung oder Fragen zu diesem Thema zukommen zu lassen.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Gleich – Gewicht …

Wörterbuch: synonym Balance, Stabilität, nicht wackeliger Zustand.
Etymologisch (Wortursprung): kommt es aus dem altgermanischen Gewicht, auch wägen und bewegen gehören zum gleichen Wortstamm.

Während meiner NLP-Ausbildung habe ich gelernt, dass man eine Integration u.a. an der zunehmenden körperlichen Symmetrie (jemand richtet sich z.B.mehr und mehr auf) erkennen könne.

In meinem Aikidotraining habe ich dann (auch heute noch) wahrgenommen, dass das noch nicht alles ist bzw. war. So begann ich irgendwie neu über den Begriff des Gleichgewichts (inneres/ äußeres) nachzusinnen. Ist doch das Gleichgewicht etwas, das von den meisten Menschen selten bewusst wahrgenommen wird – höchstens dann, wenn es „ausfällt“ oder „gestört“ ist (z.B. bei Schwindel als Störung der Orientierung im Raum).
Gerade heute Morgen fiel mir beim Training auf der Matte spürbar auf, dass ich lange, bevor ich im Äußeren das Gleichgewicht bzw. den Kontakt verliere, dies auch schon innerlich passiert. Haben Sie je über den Zusammenhang (falls es ihn gibt) zwischen innerem/ äußerem Gleichgewicht nachgedacht – besser nachgesonnen, meditiert?

Viele Menschen sind sich der tieferen Bedeutung des Gleichgewichtssinns nicht bewusst.
Sie erreichen, so er Autor Torsten Förste, ihr (körperliches) Gleichgewicht nur durch eine unnötige, zu hohe Spannung in ihrem System, meist in Muskulatur und Bindegewebe von einer hohen Anspannung des vegetativen Nervensystems und einer Überaktivität des Drüsensystems einmal ganz abgesehen. Tschja, so verstanden bekommt der Begriff Haltung, (also wie ich mich aufrecht halte) zumindestens für mich noch einmal einen ganz neuen Inhalt.

Also, was ich in meiner Alltagspraxis probiere, ist, die körperliche Balance, das Gleichgewicht (also überall das gleiche Gewicht) als eine Art Metapher für das psychische Gleichgewicht zu üben. Klingt doch ziemlich einfach, oder? Probieren Sie es einfach einmal …, es ist eine Kunst, von Moment zu Moment. Ein bisschen wie Balancieren mit viel Feingefühl. Und es ist in meinen Augen gleichzeitig eine meditative Bewusstseinsübung.

Unter mehr einige anregende Ideen und Fragen zum Thema …

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