Schmerz schafft Widerstand (und so neuen Schmerz)

Wieder mal eine Erfahrung, die das Leben schrieb. Gestern absolvierte ich einen Teil einer speziellen Zahnarztbehandlung. Nicht wirklich angenehm … und doch hörte ich mich zunächst fragen: „Können wir das auch ohne Betäubung machen?“

Eine Stunde auf dem Behandlungsstuhl, bei der ich life entdecken konnte, das dem Schmerz ausweichen (in die Füße gehen, die Figuren auf dem Bild zählen usw. immer nur so lange halfen, bis der nächste Impuls kam (ja unser reflektives Bewusstsein liebt Unterschiede …) Wirklich Wirkung zeigte nur, durch den Schmerz „hindurchentspannen“, in einen ganz anderen Raum. Um es kurz zu machen, die Nachwehen waren unangenehm, aber annehmbar.

Die eigentliche Entdeckung machte ich am Morgen danach. Ich war ziemlich „angefressen“, kraftlos, angespannt und beim Aikidotraining am Morgen bemerkte, ich, dass ich ziemlich zusammengezogen war (sprich besonders widerstandsfähig, ha ha …), was natürlich dazu führte, dass einige Bewegungen besonders anders gelangen und mein Ich rasch ziemlich frustriert war. Irgendwas war irgendwie anders. Und das Schärfste war, ich hätte am liebsten laut geschrien:“ Ich will nicht, nein, verdammt ich will nicht.“ Meine Struktur aufgeben, auf Impulse eingehen usw. Am liebsten hätte ich einfach so um mich geschlagen … ;-))).

Etwas in mir (man könnte es meine Sensibilität nennen, mein Ki, Fluidum, mein Feingefühl) war ziemlich zusammengezogen, Zahnarzt sei dank. Das erinnerte mich total an die Idee von Eckhard Tolle mit dem Schmerzkörper (der sich von Schmerz nährt und im Zeigen auch Schmerz bewirkt [bei sich und anderen]).

In diesem Zustand bei mir zu bleiben … gar nicht so einfach und doch spüre ich auch jetzt gerade, dass gerade dann besonders einfühlsame Zartheit (Zärtlichkeit mit sich selbst) gefragt ist.

„Schmerz ist, seine Sensibilität ganz besonders zu spüren …“ oder wie ich mal gesagt habe, es gleichzeitig Zeichen und Preis für Einfühlungsvermögen. Es heißt ja im Zen so treffend: „Das Herz ist da, damit es immer wieder brechen kann“.

So und nun gehe zum zweiten Teil der Übung. Mein Zahnarzt, der Gute, erwartet mich zum zweiten Teil der Behandlung …

Ihnen ein schmerzfreies Weekend oder wie auch immer …

Herzlichst

Jürgen Weist

Theorie und Praxis unterscheiden sich … in der Tat!

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Etwas segnen …

Das Wort Segnen stammt aus dem Altgermanischen und bedeutet soviel wie das Zeichen des Kreuzes machen und im Lateinischen (signare, signum) mit einem Zeichen versehen, Merkzeichen. Das Wort Segen (Zeichen des Kreuzes, Gnade …).

Und das Kreuz ist unter anderem ein Symbol für die beiden Achsen des Lebens, der Horizontalen (dem Geistigen/ Spirituellem) und dem Vertikalen (dem Weltlichen/Gegenständlichen). Das Kreuz bezeichnet u.a. den Schnittpunkt dieser beiden Linien. Möglicherweise, so denke ich gerade, hat das was gemeinsam, mit dem „rechten Punkt“ in den ostasiatischen Künsten (wie z.B. rechte Haltung usw.)

Insoweit hat Peter Schellenbaum in seinem Vortag „Berufung“ Recht, wenn er das Segnen als einen tiefen Akt der vollständigen Bejahung beschreibt. Das Gesegnete als das vollständig Bejahte.

Vielleicht sollten wir nicht nur das Wort Segen mehr in unseren Alltag einfließen lassen, oder?

Berührungsfragen:

Haben Sie heute schon was oder jemanden gesegnet?
Was erfahren Sie persönlich (jetzt gerade) als Segen?
Wem oder was gegenüber fällt Ihnen das Segnen möglicherweise nicht so leicht?
Welches Gefühl empfänden Sie, wenn Ihre Existenz (auch unausgesprochen) gesegnet wäre?
Für wen oder was sind Sie ein Segen?
Welche besonders interessante Frage fällt Ihnen dazu ein?

Sie wissen ja, das Denken ist die eine Sache, das Empfinden (Fühlen) eine andere und das Handeln das Zeichen wirklicher Intelligenz bzw. Könnens.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.

Herzlichst

Jürgen Weist

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Subtile Ablehnung … oder feinfühlige Annahme

liegen oft ganz dicht beieinander. Ich möchte Ihnen diesen kleinen Unterschied an einem selbst erlebten Beispiel schildern. Die Geschichte beginnt in Glückstadt auf dem Bahnhof. Jürgen steht da auf dem Bahnsteig und bemerkt plötzlich (bewusst) wie angespannt er im Schulterbereich ist.

Was macht er, als er dies bemerkt? Halten Sie für einen Augenblick inne und fragen sich, was wäre denn meine ganz normale (unbewusste) Reaktion?

Keine Ahnung, was Sie machten würden, ich habe natürlich die Schultern entspannt, um den Zustand von Entspannung zu erreichen.

Das ist doch normal, oder? Ich bin da inzwischen nicht mehr so sicher. Das Handeln selbst ist nicht so wichtig, sondern in welcher Haltung ich es tue. Wenn ich den Spannungszustand nicht (akzeptieren) mag, dann steckt (für mich) in dieser sofortigen (unreflektierten) Reaktion der Makel des Ablehnens (jedenfalls erst einmal als Hypothese für meine Alltagspraxis).

Ich habe das dann wie folgt in meinem Alltag überprüft. Ich habe dann bei ähnlichen Erlebnissen nichts verändert, sondern bin nur mit meiner Aufmerksamkeit, meinem Gefühl in den entsprechenden Zustand hineingegangen. Zum obigen Beispiel bedeutet das, ich spüre ganz in meine Verspannung hinein, fülle Sie mit (Mit)gefühl aus.

Dann, so jedenfalls meine Erfahrung, verändert (wandelt) sich etwas ganz wie von selbst.
Und … eine ziemlich verrückte Auswirkung in meinem Leben: immer mehr (un)angenehme Zustände zeigen sich im Bewusstsein (so nach der Devise: Wenn er uns annimmt, wie wir sind, ohne uns gleich zu manipulieren, dann können wir uns ja ohne Gefahr zeigen, wie wir sind …).

Klingt ungewöhnlich, doch ich möchte heute an dieser Stelle behaupten : ES LOHNT SICH!
Z.B. das Selbstbewusstsein, das Einfühlungsvermögen und auch die Eigenbeziehung bleiben davon nicht unbeeinflusst … (ansonsten [nicht ganz ernst gemeint] fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker).

Wieder einmal bitte ich Sie, probieren Sie es doch einmal für sich aus. Und Sie kennen ja meinen Schlusssatz: Und wenn Sie Lust haben, dann berichten Sie auch mir von Ihren Erfahrungen mit dieser Idee …

Herzlichst

Jürgen Weist

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Lieben können – lernen …

Manchmal, wenn Menschen etwas in einer bestimmten Situation misslingt und fehlt, dann nehmen sie sich vor, es beim nächsten Mal anders zu machen. Kennen Sie das? Meiner Meinung nach ist das nicht selten der Beginn einer Misserfolgsspirale, weil meistens dann, wenn es wieder soweit ist, der Vorsatz einfach nicht funktioniert und man sich dann meist zusätzlich in Frage stellt, weil es wieder nicht geklappt hat.

Meine Empfehlung: Wenn Sie eine bestimmte Qualität in Ihr Leben bringen wollen, dann machen Sie es in den kleinen Dingen des Alltages. Insbesondere da, wo es um nichts geht, wo Sie weitestgehend absichtslos sind. Beim Abwaschen, Garten jäten usw.

Dies gilt auch für die heute empfohlene Übung, die übrigens so auch auf andere Qualitäten und Aspekte anwendbar ist.

Rahmen: Beginnen Sie mit fünf Minuten am Tag und steigern Sie täglich den Übungszeitraum um weitere fünf Minuten, sodass
Sie in zwölf Tagen ungefähr eine Stunde investieren.

Inhalt: Legen Sie den Fokus Ihrer Aufmerksamkeit auf folgenden Aspekt/ die folgende Frage. Wie sehr kann ich im Moment Liebe in mir wahrnehmen? Wie sehr fühle ich mich liebevoll (voller Liebe)? Inwieweit bin ich jetzt in Kontakt zu der Qualität Liebe?

Versuchen Sie einfach (mit gespürtem Bewusstsein) sich auf den Aspekt Liebe, (und was Sie darunter verstehen/ empf i n d e n ) auszurichten. Weniger als gedachte – mehr als gespürte Qualität. Und … es geht dabei um nichts Absolutes – eher Relatives. Wenn es nicht gleich sofort klappt, es reicht zu Beginn eine Ahnung, ein Hauch davon. Wenn es gar nicht geht – dann tun Sie einfach so als ob. Auch wenn der Kontakt (Fokus) abreißt, dann nehmen Sie ihn einfach wieder auf. Ganz einfach.

Alternativ können sie kurze Liebesphasen in den Tag einbauen: (ist ernst gemeint) Liebe spüren,
bis der Bus kommt,
der Kopierer durch ist,
die Kartoffeln kochen,
an an der Kasse dran ist usw.

Und nun viel Freude mit dieser experimentellen Übung. Gern würde ich etwas über Ihre Erfahrungen erfahren (weist@conzendo.de oder als Kommentar).

Herzlichst

Jürgen Weist

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