“Schmerz“ ist manchmal das Zeichen dafür, dass die Lebendigkeit in einem Teil von mir wiedergeboren wird, oft ist er Zeichen dafür , dass Etwas gefühlt (geliebt) werden will.
(Jürgen Weist)

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Üben als innere Wandlung des Menschen …

Dieser Artikel entstand durch eine Anregung des Autors Ulrich Müller mit seinem Beitrag Selbstbildung als Weg im Buch „Heilen statt Hauen“ – Aikido-Erweiterungen in Therapie und beruflicher Bildungsarbeit.

So weit zur Quelle der Inspiration. Worum geht es?

In der Beratung, meinem Umfeld und auch bei mir selbst stelle ich immer wieder fest, dass es in Übergangssituationen (z.B. Belastungen, Konflikten, Traumata) sehr entscheidend (im Sinne des Wortes) sein kann, mit welchem Wahrnehmungsfokus man das tatsächliche Geschehen wahrnimmt und verarbeitet. Oft macht genau der Fokus (welche Bedeutung ich etwas gebe) den Unterschied zwischen etwas, das mich voranbringt und etwas, das mich zurückwirft aus.

Der nachstehende Fokus ist den fernöstlichen (Kampf)Künsten entliehen. In diesen Künsten geht es nicht vorrangig um das Beherrschen des Könnens, sondern um eine Art innerer Wandlung, die durch das Üben der Kunst erreicht werden kann. Diese Künste werden auch als Wege (Do) bezeichnet, was in den Begriffen Judo, Aikido usw. zum Ausdruck kommt.

Zitat Werner Lind (aus seinem Buch Budo):
„Der Mensch übt, um selbst zu wachsen. Die ausgeübte Kunst ist eine Möglichkeit zu sich selbst zu finden (…). Die Übung der Kampfkunst bedient sich der Technik, doch sie meint das Ich. In dem Maße, in dem das Können wächst, gilt es, den Selbstzweck zu überwinden und das egoistische Streben nach äußerem Glanz durch Demut, Anpassung und Bescheidenheit zu ersetzen“.

Überträgt man diese Idee in sein alltägliches Leben, so beinhaltet plötzlich jede Anforderung eine Chance zum Lernen. Und zwar nicht nur auf der instrumentellen Ebene (wie bekomme ich das geregelt), sondern auch auf der Ebene der Persönlichkeitsentwicklung (was bewirkt das in mir). So entsteht das, was ich die persönliche Haltung nenne.

Unabhängig davon, ob wir dann gezielt Situationen mit großem Lernpotenzial für uns auswählen oder ob diese Situationen uns einfach widerfahren. Wir können beides gezielt als Lernsituation nutzen.

Folgende Leitfragen sind überaus hilfreich:

1. Wie kann ich aus dem, was ich gerade tue, lernen?
2. Wie kann ich das, was ich gerade tue, so tun, dass ich daraus lerne?
3. Was kann ich aus dem, was sich mir ereignet, lernen?

So getan, wird es immer unwichtiger, was wir tun und immer wichtiger, wie wir es tun und damit zur Übung im Sinne eines Do (Weges).

(Ritskes 1993, S.19): „ wir können alles, was wir tun als Übung verstehen …, die uns hilft, uns möglichst umfassend zu entfalten. Jeder Augenblick, den wir verstreichen lassen, ohne ihn als Übung zu nutzen, ist ein verlorener Augenblick, denn wir sind ja nie zu alt, um noch etwas Neues zu lernen … Wir können immer und überall etwas lernen.“

Praxistransfer:

Übertragen Sie doch diesen Fokus auf eine Sache, die Sie im Moment sehr beschäftigt und fragen Sie sich neben den o.a. Fragen: Was will das Leben mich lehren? Und nehmen Sie bitte – unabhängig von der entstehenden Antwort – wahr, was sich in Ihnen durch diese veränderte Haltung tut bzw. wie sich Ihre Wahrnehmung des Themas bereits verändert.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren. Tun Sie es, Wissen, das man nicht spürt, hat man nicht wirklich …

Unter mehr finden Sie eine möglicherweise ergänzende Idee …

Vielleicht haben Sie weitere Ideen, Anmerkungen oder Fragen. Fügen Sie diesem Artikel doch einen Kommentar bei oder senden Sie mir eine persönliche Mail – vielleicht mit Ihren Erfahrungen- unter weist@conzendo.de.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Wo Licht ist, da ist auch Schatten …

„Du siehst nur deinen Schatten, wenn du deinen Rücken zur Sonne drehst“. (Khalil Gibran)

Beantworten Sie doch einmal folgende Fragen für sich:

· Gibt es Themen, die Sie z.B. in Gesprächen usw. vermeiden?
· In welchen Situationen sind Sie nervös, überempfindlich bzw. gehen in eine Abwehrhaltung?
· Welche Art von Bemerkungen bringt Sie auf die Palme (lassen Sie total verstummen)?
· Unter welchen Umständen haben Sie das Gefühl unterlegen zu sein oder nicht genügend Selbstvertrauen zu besitzen?
· In welchen Situationen schämen Sie sich? Auf welchem Gebiet haben Sie panische Angst davor eine Schwäche zu zeigen? Was würden Sie nie oder nur äußerst ungern tun?
· Welche Art von Kritik reizt Sie besonders oder irritiert Sie sogar?
· Wann fällt es Ihnen schwer, Lob und Komplimente anzunehmen?
· Unter welchem Zug an sich selbst leiden Sie oder über was an sich sind Sie sehr unzufrieden?
· Durch welche Eigenschaft zeichnet sich Ihr Bezugssystem (Familie, Gruppe, Gesellschaft) besonders aus?

Wenn Sie inhaltliche Antworten für sich gefunden haben, dann könnte es sein, dass Sie dabei sind, gerade einen persönlichen Schatten aufzuhellen.

Unter einem persönlichen Schatten (einem Konzept aus der Psychoanalyse) versteht man alle die Qualitäten, die wir z.B. im Rahmen von Sozialisation und Erziehung unterdrückt und verdrängt haben. Sei es aus Mangel an Gelegenheit, bestimmte Dinge zu lernen, als auch infolge psychischer Verletzungen.

Schatten zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie für Besitzer in der Regel unbewusst sind (deshalb auch der Name). Sie zeigen sich eher als „Unfreiheit“ (siehe die o.a. Fragen) in bestimmten Situationen. In der Sprache und dem Denken bildet sich das mittelbar oft mit Formulierungen wie: Ich muss … und ich darf nicht … ab.

Generell: Ein Sprichwort sagt zutreffend:“ niemand kann über seinen Schatten springen“ (sich auf -und davon lösen). Es geht letztlich um Annahme des Schattens, sich also genau an dieser Stelle mit der bisher ausgegrenzten Qualität anzunehmen.

Eine gute Möglichkeit dazu erfahren Sie unter >mehr<

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Nichts über den Daumen brechen …

(Eine Bewusstseins-Übung)

Zu der folgenden Übung wurde ich durch das Hörbuch „Der Jacobsweg“ von Paulo Coelho inspiriert. Es geht darum, sich auf der Körperebene bestimmte mentale Muster zu verdeutlichen und aus dieser „EIN-Sicht“ heraus etwas zu verändern.

Im Wesentlichen habe ich an folgende Muster gedacht:

1. Ich denke bzw. handle so, dass es mir/ anderen Schmerz macht.
Dabei denke ich an Aspekte wie Ablehnung, intensive Ängste aufgrund meiner Vorstellungen, Neid und Eifersucht.

2. Ich denke bzw. handle so, dass ich gegen mich selbst/ das Leben Widerstand leiste.
Worte und Gedanken, die mir dazu einfallen sind: Dass will ich nicht (so), das will ich anders, oder es sollte anders sein.

3. Ich denke bzw. handle so, indem ich etwas will (anders als es gerade ist).
Meine Ideen hierzu: … es wäre schön, wenn …, ich möchte das so schnell wie möglich, das ist mein Ziel …, ich will es genau so!

Falls Sie jemanden kennen, von dem Sie Derartiges kennen, dann empfehle ich das Folgende als Praxistest:

1. Immer, wenn mentaler Schmerz angesagt ist, dann drücken Sie bitte mit dem Fingernagel des einen Daumen in das Fingernagelbett (unterer Rand des anderen Daumennagels) und zwar bis es weh tut.

2. Bei Widerstand drücken mit dem Daumen der einen Hand gegen die innere Handfläche der anderen Hand.

3. Beim Wollen ziehen Sie mit der einen Hand am Daumen der anderen Hand.

Machen Sie die Intensität der Daumenübung abhängig von der Intensität Ihrer Gedanken und Vorstellungen (also 1:1) und nehmen Sie dann wahr, was Ihnen plötzlich bewusst bzw. auf diese Weise deutlich wird.

Weitere Fragen zur Anregung:
Welchen Handlungsimpuls verspüren Sie?
Was verändert sich
Welche Ideen tauchen auf?

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Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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Dem Unglücklichsein kein Zuhause geben

Hier eine weitere Praxis-Idee aus dem Buch „Jetzt“ von Eckhard Tolle, die ich als ausgesprochen wirkungsvoll erlebe.

Also … etwas läuft mal wieder nicht so, wie man es sich vorstellt. Das ist im Übrigen ein durchaus subtiles Thema. Den meisten Menschen ist nicht einmal klar, dass sie das, was gerade passiert, anhand eines (meist unbewussten) Maßstabes bemessen. Das klingt dann im Alltag ungefähr so: die Stimmung der Kollegen am Arbeitsplatz ist ziemlich blöd, mein Partner könnte auch mal wieder …., das Wetter ist heute mal wieder bescheiden, usw.

Das wäre dann ein guter Zeitpunkt,um:

a) etwas über seinen persönlichen Maßstab zu erfahren.
b) Prüfen, wie sehr läßt mich „was“ genau in eine Art Widerstand gehen?
c) Sich in Annahme, Vertrauen und „De-Mut“ zu üben.

Die Idee besteht darin, das „Jetzt“ genauso anzunehmen wie es ist, den sonst besteht einfach die große Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer physischen und psychischen Verhärtung kommt.

Haben Sie die Situation akzeptiert, dann stellen Sie sich einmal die folgende Fragen:

a) was scheint (mir) im Moment zu fehlen?
b) Kann und möchte ich die Situation verändern (verbessern)?
c) Kann und möchte ich die Situation verlassen?

Interessante Idee, nicht wahr? Ihr Kommentar ist mir willkommen oder senden Sie mir eine persönliche Mail – vielleicht mit Ihren Erfahrungen- unter weist@conzendo.de.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Weist

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