Leistung … oder sich erfahren …

Immer mal wieder, wenn ich Texte des deutschen Zenmeisters Karlfried Graf Dürckheim lese, dann „stolpere“ ich über die Idee, die Dürckheim altdeutsch „Exerzitium“ (lateinisch für Übung) nennt. Da geht es nicht darum, etwas zu üben, um es zu können, wie es in unserer Gesellschaft so wichtig scheint. Sondern die Art von Übung, die Dürckheim bezeichnet, beginnt erst dann, wenn man etwas kann – um  s i c h  dann in der gekonnten Wiederholung der Form zu erfahren … immer wieder.

Da geht es m.E. eher darum, sich zu lassen, meint: Wenn ich etwas kann, die Form leidlich beherrsche, dann kann ich meine Aufmerksamkeit (oder einen Teil davon) eher auf das„Wie“ richten, z.B. wie ist heute meine Atmung, meine Haltung, wie ist meine Spannung usw.? Das ist etwas völlig anderes, als auf das Machen der Form ausgerichtet zu sein … egal, ob es ums Tanzen, Reden, Coaching oder was auch immer geht.

In der Wiederholung erfahre ich, wie geht es (mir) heute, in dieser Stimmung, mit dieser Energie, mit dem Gegenüber usw.? Und in dieser Art von Dialog erfahre ich mehr über mich „Selbst“; eine ganze andere Art von Rückkopplung, als wenn ich ständig nur versuche es gut zu machen. So getan, bekommt jedes Tun einen mindestens doppelten Sinn: Einmal auf der Ebene der Form und gleichzeitig auf der Ebene des Selbstentdeckung. Sogar banales Tun, wie z.B. eine Tür zu öffnen … bekommt ungeahnte Möglichkeiten. Im Dürckheimschen Sinne zu üben, birgt eine unendliche, wesentliche Tiefe die ich jedesmal, jeden Tag neu ausloten darf … im Sinne von Conzendo: Unendliches Potenzial.

In diesem Sinne … bis nächsten Donnerstag.

Herzlichst

Ihr Jürgen Weist

 P.s. Gerade in den sogenannten japanischen Künsten (Teezeremonie, Kampfkünsten, Tuschezeichen usw.) kommt diese – im Osten mehr geübte – Qualität zum Ausdruck!

 

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