LosLassen

Ein Freund fragte mich vor kurzem, ob ich in der Lage sei, etwas das wir gemeinsam gestalten auch loszulassen. Das hat mich eingeladen, nochmal über mein LosLassen nachzusinnen.

Was ist denn überhaupt loslassen?

Vor kurzem las ich etwas über ein chinesisches Spielzeug, eine Fingerfalle. Man steckt zwei Finger hinein und versucht sie wieder herauszuziehen. Das gelingt jedoch nicht. Nur indem man die Finger noch tiefer in die Falle hineindrückt, kann man sich aus ihr lösen.

In diesem Sinne ist Loslassen für mich kein einfaches Beenden, aufhören, trennen, ja letztlich vermeiden von etwas.

Das funktioniert so wenig, wie die Finger aus der Falle zu ziehen. Loslassen passiert, indem wir die Trennung zwischen uns und der Sache, die wir loslassen wollen, aufgeben. Der Zenmeister Bernie Glassman empfiehlt uns, eins zu werden mit dem, was wir loslassen möchten.

Stellen Sie sich vor, Sie ärgern sich über etwas oder haben Angst vor jemandem. Lösen wir uns wirklich, wenn wir uns ablenken, verabschieden oder davonlaufen? Wir lösen uns nur, wenn wir komplett zum Ärger oder zur Angst werden. In meiner Welt heißt das: Ich kann nur loslassen, was ich zuvor komplett angenommen habe.
Die Frage vor dem Loslasssen könnte also lauten: Hältst Du schon richtig daran fest? Bist Du vollkommen damit identifiziert? Hast Du es schon ganz angenommen?

Und dann … vergessen Sie auch das Loslassen, man kann auch daran festhalten. Wie in dem berühmten Koan, wo der Schüler dem Meister folgende Frage stellte:
Was soll ich tun, nachdem ich alles losgelassen habe?“ Der Meister antwortet: „Lass auch das los!“ Der Schüler entgegnete:“ wie meint ihr das? Ich habe doch bereits alles losgelassen“. Der Meister antwortete:“ dann trag es eben weiter mit dir rum“.

Also los …notfalls lassen.

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No Responses to “LosLassen”

  1. Sabine
    Dezember 17th, 2003 | 21:12

    Lieber Jürgen,

    „Fliegen kannst Du nur, wenn Du loslässt…“

    Dieser Satz fällt mir sofort ein, wenn ich deinen Text lese:
    Und, äußere, sichtbare Rituale helfen mir beim loslassen…
    Sie zeigen eindringlich, worum es geht.
    Einen Luftballon in den Himmel zu schicken, der die Lieblingsfarbe des Menschen hat, den ich so los lasse, geht nur, wenn ich den Menschen lassen kann, mich und das, was uns verbindet, als ein Teil von mir lassen kann…
    In die Luft schicken, ihn bis zum Horizont verfolgen, bis ich ihn nicht mehr sehe, nur noch spüre.
    Und, seitdem mit einem neuen Gefühl in den Himmel schauen kann…

    Meine Assoziationskette, die mich nach dem Luftballon von heute und dem lesen Deines Textes hierhin geführt hat…

    Liebe Grüße,

    Sabine

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